Was sind die Ursachen und Folgen eines immer enger werdenden Korridors der freien  Meinungsäußerung?
Ich erfahre mit Besorgnis einen überhöhten, moralistisch aufgeladenen Linksprogressivismus, der nicht das Argument, sondern zunehmend die Person zum Ziel von Attacken macht – bis hin zur sozialen Existenzvernichtung.
„Axolotlisierung der Gesellschaft“ nennt z.B. Richard David Precht, Philosoph und Publizist dieses Phänomen – eine präzise Wortschöpfung von bemerkenswerter Beobachtungskraft.
Die Bereitschaft zur öffentlichen Empörung ist nicht Ausdruck von Haltung, sondern Symptom einer kulturellen Infantilisierung, unsere Gesellschaft, welche den Schritt ins Erwachsensein verweigert – wie der Axolotl, ein Lurch, der ewig im Larvenstadium verharrt.

Was die ständig Empörungsbereiten nicht erkennen: Sie befeuern jenen gesellschaftlichen Rechtsruck, den sie öffentlich selbst beklagen. Ihre moralische Überheblichkeit und sprach polizeiliche Rechthaberei treibt immer mehr Menschen in offene Opposition zu einer urban-akademischen Schicht, die sich ohne jedes Mandat zur Deutungselite erhoben hat.

Wer eine differenzierte Analyse der jüngst aufgeheizten Debatten um Bundeskanzler Friedrich Merz – Thema „Stadtbild“ – und das von linker Seite orchestrierte Protesttheater erwartet hätte, erlebt nun dass nicht mehr zur Sache gestritten, sondern gezielt beschädigt wird – mit moralischem Furor statt Argumenten.

Hier zeigt sich, wie eine Kultur der Denunziation die Grundlagen demokratischer Diskursfähigkeit aushöhlt. Die moralische Aufrüstung der Sprache vergiftet das gesellschaftliche Klima, während die Vernunft zunehmend an den Rand gedrängt wird. Moral, ist ein schlechter Ratgeber, wenn sie sich über die Freiheit des Denkens erhebt.
„Die Grenzen der Meinungsfreiheit fangen also nicht erst bei der Zensur an, sondern bereits vorher bei der Selbstzensur. Wer damit rechnen muss, mit seiner Meinung vielfach heftigen Widerspruch zu ernten oder als Person der Öffentlichkeit medial an den Pranger gestellt zu werden, der überlegt sich mehr als dreimal, ob er das, was er über eine bestimmte Sache denkt, laut äußert oder es lieber bleiben lässt“
 
In so einer Welt möchte ich persönlich jedoch nicht Leben, ich bleibe Verfechter der Grundrechte!
 
Ich stelle fest, dass jede Gemeinschaft scheitern muss, wenn jeder maßlos und frei von Selbstdisziplin seine Freiheit auslebt“
Unserer Gesellschaft ist nicht zuletzt durch den Siegeszug der sozialen Medien und der Hinwendung zu einer medialisierten Selbstkultur die Fähigkeit zur Resilienz verlorengegangen. Diese muss zurück gewonnen werden, um wieder mehr Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft zu erzeugen.
Und ich wünsche mir zur Verbesserung des Meinungsklimas, die gesellschaftliche Resilienz wieder deutlich zu erhöhen, indem Politik, mediale Berichterstattung und Kommentierungen eine größere Meinungsvielfalt zulassen. Dabei gilt es auch, das „ethische Ideal einer hochsensibilisierten Gesellschaft genauer zu hinterfragen“ – man möchte ergänzen: die Menschen müssen wieder lernen, Erwachsenensprache zu ertragen.
Im nächsten Kapitel unser Geschichte sollten wir Ansätze entwickeln, wie die Gesellschaft zurück zu einer Kultur der Meinungstoleranz zurückfinden kann – ohne Denkverbote, ohne Sprachdiktate und ohne den Zwang zur Gesinnungskorrektheit.

Es wäre Zeit für mehr Selbstreflexion.